Husuma

16. August 2012

Husum: Protest-Camp zu Ende

Das Protest-Camp „Militarismus-jetzt-stoppen!“ ist am letzten Sonntag nach vier bunten Tagen voller Aktion, Veranstaltungen und Diskussionen zu Ende gegangen. „Ich denke, wir haben unser Ziel erreicht. Es ist uns gelungen, aufzuzeigen, dass nicht alle Menschen hinter dem Militär stehen, und der entsprechende Diskurs in der Stadt eine Inszenierung von Oben ist!“ sagte Jana Übermut, eine der TeilnehmerInnen des Protest-Camps.

Das Camp sei sehr gut angenommen worden, berichtet Jana weiter. „Lediglich am letzten Tag lies es die Husumer Polizei nicht nehmen, noch einmal Menschen zu schikanieren, die sich trauen, ihre dissidente Meinung öffentlich zu äußern!“. Ansonsten sei das Protest-Camp reibungslos und ohne Störungen verlaufen.



Den Diskurs entlarven

Die Aktiven der Initiative „Militarismus-jetzt-stoppen“ hatten ihr Protest-Camp auf einem Grünstreifen direkt am Haupttor der Fliegerhorstkaserne aufgebaut. Gut sichtbar von einer der Husumer Hauptverkehrsstraßen, die die Innenstadt mit dem Gewerbegebiet verbindet, wehten hier für ein Wochenende antimilitaristische Banner neben den Zelten im Wind. Das blieb nicht ohne Folgen. „Wir haben hier einen regen Publikumsverkehr“ sagte die SchülerIn Jana Übermut am Wochenende. „Viele halten an, unterhalten sich mit uns, lassen sich informieren, nehmen Infomterialien mit und Unterstützen uns mit Lebensmitteln, Feuerholz fürs Lagerfeuer oder mit Spenden. Dementsprechend gut besucht waren auch die Vorträge und Workshops im eigens dafür aufgebauten Veranstaltungszelt. „Tagüber haben wir eher praktische Workshops wie Argumentationstraining und Pressearbeit gemacht. Und Abends fanden Vorträge statt, die auch Menschen ansprachen, für die Zelten vielleicht nicht unbedingt die naheliegendste Aktionsform ist“ erklärt Jana. Ein Konzept, das auch wegen der ReferentInnen aufging. Am Donnerstag sprach ein Mitglied der Initiative zum Thema „Militarismus in Husum?“ und informierte über die sog. „Auslandseinsätze“ der Husumer Militärs und die massiven Auswirkungen der Militärpräsenz auf das öffentliche Leben der Stadt. Am Freitag referierte Dr. Ralf Cüppers (DFG-VK) über die Folgen des Einsatzes von Uranmunition und den Wirkungen der kritischen Publikationen zum Thema. Den Abschluss machte am Samstag der freie Journalist Frank Brendle, der die Entwicklung des Einsatzes der Bundeswehr im Inland vorstellte. Darüber hinaus gab es ein anspruchsvolles Konzertprogramm mit der LiedermacherIn FaulenzA, dem DJ Jang und dem Rapper Albino.



Straßentheater…

Doch auch die Außenwirkung wurde bedacht. „Mit einem Straßentheater und einer antimilitaristischen Fahrraddemo haben wir unsere Kritik auch in die Stadt hineingetragen“ sagt Peter, einer der Jugendlichen aus Husum, die das Protest-Camp organisierten. Das Straßentheater habe am Samstag mitten auf dem Markt stattgefunden, und einen Erregungskorridor für viele Gespräche mit PassantInnen geöffnet. „Wir konnten so sehr viele Flugblätter verteilen“ freuen sich die Beteiligten.

… und Fahraddemo

Ebenfalls als Erfolg werteten die VeranstalterInnen die antimilitaristische Fahrraddemo, die an den „Hotspots der Militarisierung“ in Husum vorbeiführte. „Die Fahrraddemo verlieft fast störungsfrei. Es ist uns gelungen, auch in diesem Bereich das Versammlungsrecht durchzusetzen“ freut sich Jan Hansen, einer der Mitbegründer der Initiative. In den Vorjahren habe es bei Fahrraddemos in Husum Schikanen durch die Einsatzkräfte gegeben, in diesen Jahr sei dies allerdings fast nicht der Fall gewesen.


Polizei mag keine Pressefreiheit
Ganz so friedlich und ruhig mochte die Husumer Polizei, die für ihren vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Militärs berüchtigt ist, das Wochenende dann doch nicht stehen lassen. Unter dem Vorwand, dass das Fotografieren von Protest am Kasernenzaun verboten sei und außerdem die Persönlichkeitsrechte von Militärs gewahrt werden müssten, versuchten sie am Sonntag Morgen illegal in den Besitz von Fotos zu gelangen. „Dieser Einschränkung der Bildberichterstattung reiht sich ein in eine lange Serie von Vorfällen, bei denen die Husumer Polizei rechtswidrig Bildberichterstattung zu mit der Bundeswehr verbundenen Ereignissen mit Gewalt und Rechtsbruch sabotiert“ kommentierte Jan Hansen den stattlichen Übergriff.

Da die Beschlagnahme misslang, ließ das Revanchefoul nicht lange auf sich warten. Laut dem Pressesprecher der Husumer Polizei wurde ein Strafverfahren eingeleitet. „Typisch: Erst bauen sie Scheiße, und dann verfolgen sie die Opfer, um ihre Taten zu decken“ kommentiert Hansen den Vorgang. Er freue sich bereits auf den Prozess, den der gebe endlich Gelegenheit, die Machenschaften der Husumer Polizei aufzudecken.
Mehr Infos zum Vorfall: https://husuma.nirgendwo.info/2012/08/14/1233/

Besuch aus Berlin
Die überregionale Relevanz des Protest-Camps unterstrich auch der Besuch der Bundestagsabgeordneten Cornelia Möhring (Die Linke). Für Möhring selber ist Antmilitarismus „eine extrem wichtige Aufgabe.“ Sie hält das Camp „für eine sehr gute Idee für einen aktiven und dringend notwendigen Kampf für Frieden. Wie selbstverständlich nahm die Abgeordnete zwischen den AktivistInnen am Lagerfeuer Platz, diskutierte mit und überreichte einen Scheck zur Deckung der Kosten des Camps.


Farb-Aktion gegen Militärfahrzeuge
Für Überraschung sorgte zudem ein auf Indymedia.linksunten veröffentlichter Text. In diesem wurde behauptet, dass in Husum eine militante Aktionen gegen das Militär stattgefunden habe. Angeblich seien auf einem Gelände an der Bredstedter Straße Militärfahrzeuge mit Farbbeuteln verschönert worden. Laut Indymedia linksunten erklären die mutmaßlichen UrheberInnen der nächtlichen Aktion, dass es enorm wichtig sei, den Kriegseinsätzen der Bundeswehr direkt vor deren Haustür etwas entgegenzusetzen: „Denn die oftmals euphemistisch als humanitäre oder gar Friedenseinsätze bezeichneten Umtriebe deutscher Truppen beginnen genau hier in unserer Nachbarschaft. (…) Die Auslandseinsätze „unserer“ Streitkräfte führen nicht zur Verringerung von Leid und Unterdrückung der Einwohner_innen von Krisengebieten, im Gegenteil. Während sie die entsprechenden Umstände oftmals noch verschlimmern, können sie in letzter Konsequenz als rein wirtschaftlich motiviert bezeichnet werden – sie dienen „Deutschland und dessen Verbündeten zur Sicherung der Zugänge zu wichtigen Märkten und essentiellen Ressourcen“, wie es mittlerweile auch aus BW und Nato-Kreisen durch die Blume formuliert wird.“


Kritik am Protest-Camp
Allerdings kritisieren die Nachtschwärmer nicht nur die Bundeswehr. Zwar hege die Personengruppe Sympathien für das Camp und erkläre sich mit dessen Zielen solidarisch, aber gleichzeitig wird betont, dass „das Zelten allein nicht viel dauerhafte Wirkung haben wird. (…) Auch wenn uns bewusst ist, dass Farbbeutel keine Auflösung des Militärapparates zur Folge haben werden, wollten wir ein Zeichen setzen dass nicht nur symbolische, sondern auch direkte Aktionen und Widerstand gegen die Bundeswehr und somit gegen den von ihr ausgehenden Krieg möglich sind, auch und gerade in einer Stadt wie Husum.“ heißt es in dem BekennerInnenschreiben laut Indymedia linksunten weiter. Auf Anfrage bestätigte ein Nutzfahrzeugbetrieb aus Husum den Vorfall. Drei LKWs des Militärs seien „mächtig eingesaut“ worden. Dies sei besonders ärgerlich gewesen, da diese bereit gestanden hätten, um nach Kreta verlegt zu werden. „Auf der Mittelmeerinsel Kreta, die im Zweiten Weltkrieg von deutschen Militärs heimgesucht wurde, üben heute die für den Auslandseinsatz vorgesehenen SoldatInnen des Husumer Militärs regelmäßig den scharfen Schuss mit Flugabwehrraketen“ kommentiert Jan Hansen diesen Umstand. Link zum Text auf Linksunten: https://linksunten.indymedia.org/de/node/65412

Auf zum GÜZ
Und wie geht’s weiter? „Selbstverständlich werden wir weiter überall dort, wo das Militär auftaucht, versuchen, Präsenz zu zeigen“ verspricht Jan Hansen. „Unsere nächste Aktivität wird im September eine Reise nach Sachsen-Anhalt. Am dortigen Gefechtsübungszentrum (GÜZ) findet vom 12.9- 17.9 ein großes internationales Protestcamp unter dem Motto „War starts here!“ statt. Dort werden wir und mit unseren Erfahrungen gut einbringen können!“

Mehr Infos zum GÜZ: https://www.warstartshere.org

Polizei schränkt Pressefreiheit ein:

Husum: Polizei mag keine Pressefreiheit



Bericht vom ersten Tag:

Protest-Camp vor der Kaserne



Ordnungsamt versucht, die Bewerbung des Protest-Camps zu sabotieren:

Husum: Ausnahmsweise mal Meinungsfreiheit?



Pressespiegel:

Husumer Nachrichten:
https://www.shz.de/nachrichten/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/artikel/gegen-krieg-und-gewalt.html

Neues Deutschland:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/235309.zelten-gegen-die-bundeswehr.html

Nordseesehenswertes:
https://nordseehenswertes.de/index.php/aktuelles/157-militarismus-ist-gesellschaftsfaehig

https://nordseehenswertes.de/index.php/aktuelles/152-antimilitaristisches-protestcamp-in-husum-alles-spinner

https://nordseehenswertes.de/index.php/aktuelles/der-kommentar

1 Kommentar »

  1. Es ist schade, dass so viele Menschen die Problematik gar nicht erkennen, die entsteht, wenn kriegerische Mittel und der Verkauf von Kriegsgerät als normal erachtet werden.

    Kommentar by Skender — 18. August 2012 @ 13:32

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