Husuma

4. Mai 2011

Braune Traditionen bei der Bundeswehr


„Glauben Sie etwa, dass unsere Verbündeten mir achtzehnjährige Generäle abnehmen?“ Soll Konrad Adenauer angeblich gepöbelt haben, als er bei der Gründung der Bundeswehr haufenweise peinliche Personalien erklären musste. Denn alle leitenden Generäle und sehr viele Offiziere hatten eine Vergangenheit in der NSDAP oder der faschistischen Wehrmacht. Manche waren sogar nachweislich an Kriegsverbrechen beteiligt. Und leider wirkt diese Erbe bis heute nach.

Einzelfälle?
Hin und wieder werden angebliche Einzelfälle öffentlich, z.B. wenn der Kommandeur des KSK Günzel (1) sich als Antisemit outet (2), oder folgendes in der Zeitung steht: „In einer Kaserne in Husum führte ein Soldat den „Deutschen Gruß“ wieder ein und rief dazu „Heil Hitler“ (3). Dann geben sich alle Verantwortlichen schnell sehr viel Mühe, dieses als Einzelfall darzustellen und weiter zu verharmlosen. Denn in einer „demokratischen“ Armee werde so etwas nicht geduldet. Zum Glück ist es heute wirklich so, dass offener Rechtsextremismus in der Bundeswehr weniger geduldet wird, als noch vor 10
Jahren. Und doch bleibt der Wehrdienst gleichbleibend attraktiv für Neonazis. Zudem häufen sich rechtsextremistische Vorfälle in der Armee, und (Ex-) Bundeswehrangehörige unter rechtsextremistischen Straftätern.

Rechtsextremistische Werte als Grundlage
Diese Tendenzen sind in der Überschneidung der Wertehorizonte der Neonazis und der angeblichen Realität eines Soldaten begründet. In der Bundeswehr glauben viele Neonazis ihre Wertevorstellungen von Führertum, Kameradschaft, Pflicht und Gehorsam verwirklichen zu können. Die Bundeswehr kommt ihnen dabei entgegen, da sie zum einen ähnliche Feindbilder konstruiert, die es zu bekämpfen gelte. Früher war dieses Feindbildkonstrukt „der russische Kommunismus“ (das selbe Feindbild der Altnazis), und heute kämpft die Bundeswehr gegen den realen oder angeblichen „islamischen Terrorismus“, was dem ausländerfeindlichen „Türken“-Konstrukt der Neonazis sehr ähnlich ist.

Befehle senken Skrupel
Zum anderen wird durch das Training in der Bundeswehr die menschliche Tötungshemmung gezielt untergraben (klar: Soldaten sind zum Töten da). Dies geschieht dadurch, dass das Individuum gezielt gebrochen und gedemütigt wird. Gleichzeitig wird aber auch eine Alternative angeboten: Da mensch angeblich nur auf Befehl handeln würde, ist nicht mehr der Handelnde verantwortliches Subjekt,
sondern der Befehlsgeber. Dies entspricht dem Führerprinzip der Nazis.

Überkommene Gesellschaftsbilder
Auch das Gesellschaftsbild, das die Bundeswehr zwangsläufig vermitteln muss, um ihre Existenz zu legitimieren, entspricht dem der Nazis: Die mannhaften (auch wenn’s Frauen sind) Soldaten müssen stark mutig und heldenhaft die arme wehrlose Germania schützen. Zudem lernen Soldaten nur Gewalt und Stärke als Mittel der Konfliktlösung. Sie sehen sich als legitimes Werkzeug einer angeblichen „Friedenspolitik“(die aber ohne das Phallussymbol „Kanone“ nie auskommt!).

Statistisches
Das Neonazis dass auch so sehen, belegt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr vom Juni 1993. Eine deutliche Mehrheit der rechtsorientierten Männer sei freiwillig zum Dienst in „der Truppe“ bereit. Die Studie belegt den eindeutigen Zusammenhang zwischen der Einstellung zu Bundeswehr und Wehrdienst auf der einen und der politischen Orientierung auf der anderen Seite. Je mehr „rechts“ sich die Jugendlichen einstufen, desto klarer befürworten sie die Bundeswehr und den Wehrdienst. Diejenigen, die sich politisch eher „links“ einstufen, lehnen den Wehrdienst in der Bundeswehr ab. Eine eindeutige Mehrheit für den Dienst in der Bundeswehr bei der Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Dienstmöglichkeiten findet sich nur unter jungen Männern mit rechtsextremer Einstellung. In der Studie ist nicht graphisch aufbereitet, jedoch aus den Rohdaten leicht auszurechnen, wie sich demnach eine durchschnittliche Bundeswehrhundertschaft zusammensetzen würde: weniger als 1% Linke (ein einziger Mann), 4% links von der Mitte, 47% aus der Mitte, 28% rechts von der Mitte und 21%, die sich selbst als Neonazis bezeichneten bzw. die Neonazis „ganz gut finden“. (Summe 101% durch Aufrundungen).

Hilfe für Nazis?
Besonders gefährlich ist diese Entwicklung deshalb, weil die Ausbildung und der Dienst bei der Bundeswehr dazu führen wird, die Hemmschwelle, Gewalt gegenüber Personen anzuwenden, herabzusetzen. Bei diesen Jugendlichen ist diese Hemmschwelle bereits vor dem Bundeswehrdienst herabgesetzt und einige haben bei der Befragung ganz offen zugegeben, dass ihnen die Innere Führung der Bundeswehr zu wenig autoritär und zu lasch ist. Sie wollen auch deshalb zur Bundeswehr, um das zu verändern. Für sie ist die Bundeswehr auch ein Instrument, um sich gegen die vermeintli­chen Nutznießer des sozialen Rechtsstaats, vor allem die Asylanten, die Arbeitslosen, die Behinderten und die Sozialhilfeempfänger zu wehren. Weil alle anderen, vor allem aber die Politiker, versagt haben, müssen sie nun zur Selbsthilfe greifen, um das deutsche Volk zu retten, mit mi­litanter Gewalt.

Die Bundeswehr faschistisch?
Die Bundeswehr insgesamt als faschistisch zu bezeichnen, geht also deutlich zu weit, und wäre denjenigen Vorgesetzten gegenüber ungerecht, die ernsthaft versuchen, sich zu engagieren. Doch da bei einer Armee Fehlverhalten aller Art immer mit Strafe, Arrest, etc. geahndet wird, wird hier definitiv gewaltbejahendes Verhalten mit gewalttätigen Maßnahmen beantwortet. Auch ist eine Armee immer mit Befehl und Kadavergehorsam verbunden. Zudem finden sich immer stärkedominierte Freund/ Feind –Schemata. In einer Armee wird das Individuum zurückgedrängt, und statt dessen ein kollektives „Wir“ aufgebaut. Dies führt immer zu einer autoritären Aufladung. Somit dürfte die Bezeichnung „faschistoid“ letztlich zutreffend sein.


Das Marine-Ehrenmal Laboe: Selten viele Hakenkreuze pro Quadratmeter

Positive Bezüge auf die Nazi-Zeit
Dieser generell menschenfeindliche und undemokratische Beat in der Bundeswehr wird leider bis heute noch durch positive Bezuge auf das Nazireich verschlimmert. Natürlich hatten die Gründerväter keinen demokratischen Backround, und so hatte die Bundeswehr auch trotz Konzepten wie „Innere Führung“ nie eine Chance diesen zu bekommen. Dies sieht mensch u.a. darin, welche Vorbilder in der Bundeswehr propagandiert werden und daran, dass bis heute noch Kasernen und Schiffe nach Nazi-Generälen benannt sind.

Nazis in der Bundeswehr

Anmerkungen:

(1) KSK Kommando Spezialkräfte, DIE Spezialeinheit der Bundeswehr, Ende der Neunziger gegründete Spezialeinheit mit etwa tausend Soldaten, die weltweit alle möglichen Spe-zialeinsätze durchführen sollen und u.a. in Afghanistan und Bosnien Terroristen und Kriegsverbrecher jagten. Das KSK ist so geheim oder so peinlich, das nichteinmal der Bundstag, der angeblich die Bundeswehr kontrollieren sollte, erzählt bekommt, wieviele Leichen das KSK in Afghanistan als „Kollateralschaden“ abgetan hat.

(2) Die Hohmann-Affäre ist gemeint: Ein rechtsextremistischer CDU-Bundestagsabgeortneter (ja leider gibt’s die immer noch) hielt 2002 eine Rede über das Tätervolk der Juden, und zeigte auf Anfrage von Panorama jede Menge Promipost, in der die Promis schrieben, wie toll sie seine Rede fanden. Unter anderem ziterte er auch einen Brief vom damaligen Oberkommandierenden des KSK. Damit war dann dessen Karriere vorbei, denn Kriegsminister Struck schickte ihn einen Tag später in Ruhestand.

(3) ausführliche Liste von rechtsextremistischen Vorfällen mit Bundeswehrsoldaten: www.dfg-vk.de

(4) MAD „Amtes für Sicherheit der Bundeswehr“, „Militärischer AbschirmDienst“, der Geheimdienst der Bundeswehr.

Nazis in der Bundeswehr:

Henning, Werner.
Vor 45: Abteilungschef im Oberkommando der Luftwaffe;
nach 45 Brigadegeneral, Chef des Materialamtes der Bundeswehr

Hinkelbein, Claus
vor 45: Oberstleutnant; Chef des Luftfeldgaukommandos XIV,Ritterkreuz.
Nach 45: Brigadegeneral, Kommandör der Schule für Innere Führung der Bundeswehr.

Kammhuber, Josef
Vor 45: General der Flieger, Planer des Luftkrieges, Vertrauter von Hitler/Göring.
Nach 45: General, Inspekteur und Chef des Führungsstabes der Luftwaffe

Laegeler, Hellmuth
vor 45: Generalmajor, unter Himmler Chef des Stabes des Ersatzheeres.
Nach 45: Generalmajor, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, danach Berater der Landesreg. BaWü.

Lemm, Heinz-Georg.
Vor 45 Oberstleutnannt, u.a. goldenes HJ-Ehrenzeichen.
Nach 45: Brigadegeneral; Komandör der Heeresoffizierschule III.

de Maiziere, Ulrich.
Vor 45: Oberstleutnant, Ritterkreuz, Kommandeur eines Stuka-Geschwaders.
Nach 45: Generalleutnant, Generalinspekteur der Bundeswehr.

Trettner, Heinz.
Vor 45 Oberst, 1.Generalstabsoffizier.
Nach 45: General, Generalinspektör und Chef des Führungsstabes der Bundeswehr.

Selmayer, Joseph.
Vor 45: Oberst, 1. Generalstabsoffizier Heeresgruppe F (Südosteuropa).
Nach 45: Brigadegeneral, Leiter des MAD.

Die Liste lässt sich leider fortsetzen, zumal mit der zweiten und dritten Generation von Offizieren noch mehr Wehrmachtsangehörige mit niedrigeren Rängen in die hohen Bundeswehrposten einrückten.

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